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  • Laura Deichl

Bitterstoffe & 7 Bitterpflanzen

Das Bittere ist rar geworden in unserer Ernährung, ist es doch unglaublich gesund und wichtig für uns. Die Bedeutung der Bitterstoffe, Kategorien der Amara, Anwendungsmöglichkeiten und sieben Bitterpflanzen im Kurzportrait.



Bitterstoffe sind in unserer Nahrung leider rar geworden, da sie aus unserem Gemüse meist rausgezüchtet wurden, um einen milderen Geschmack zu erhalten - doch sind sie unglaublich gesund und wichtig für uns. Die Wild- und Heilpflanzen sind hier eine wunderbare Versorgungsquelle. Ein Beitrag über die Bedeutung der Bitterstoffe, Kategorien der Amara, Anwendungsmöglichkeiten und sieben Bitterpflanzen im Kurzportrait.



Bitterstoffe und ihre Bedeutung


Bitterstoffe sind sekundäre Pflanzenstoffe, die rein durch ihren bitteren Geschmack charakterisiert sind (chemisch aber sehr unterschiedlich sein können) und in verschiedensten Pflanzenfamilien zu finden sind. Sie regen über unser Geschmacksempfinden die Magensaftsekretion an, wirken daher appetitanregend und positiv auf unsere gesamte Verdauungstätigkeit. Sie regulieren den Appetit und unterstützen den Körper bei der Entgiftung und Entsäuerung. Da sie unsere gesamten Stoffwechsel anregen wirken sie auch unterstützend bei Abwehrschwäche und Erschöpfung, bei Allergien, Autoimmunleiden sowie Hautkrankheiten. Zudem fördern sie die Aufnahme von Eisen und anderen Mineralstoffen.



Die Amara


Pflanzen mit Bitterstoffen werden in verschiedene Kategorien eingeteilt:

  • Amara tonica – reine Bitterstoffe – wie in Enzian, Tausengüldenkraut

  • Amara aromatica – Bitterstoffe kombiniert mit ätherischen Ölen – wie in Beifuß, Wermut, Schafgarbe, Engelwurz, Hopfen, Meisterwurz, Gundelrebe

  • Amara acria – Bitterstoffe kombiniert mit Scharfstoffen – wie in Ingwer, Galgant

  • Andere – wie in Löwenzahn, Mariendistel




Alte Anwendungsformen


Bitterstoffe lassen sich auf viele verschieden Arten ganz einfach in unsere Ernährung integrieren.


  • Bitterpulver – auch bekannt unter 7 Kräuterpulver – hier werden Bitterkräuter einfach getrocknet vermahlen und dann als Msp. oder TL in Wasser gelöst vor oder nach dem Essen eingenommen

  • Bittersalz – Bitterkräuter werden mit Salz vermahlen – super auf den Tisch zum Würzen von allen möglichen Gerichten

  • Bittertinktur – Bitterkräuter angesetzt in Alkohol – kann vor dem Essen zum Anregen der Verdauungstätigkeit eingenommen werden

  • Magenbitter – angesetzt mit Alkohol und etwas Zucker bekommt man einen leckeren Magenbitter

  • Bittertee - hier werden verschiedene Bitterkräuter als Tee aufgegossen







7 Bitterpflanzen im Kurzportrait


Beifuß


Der Beifuß (Artemisia vulgaris) gehört seit jeher zu den mächtigsten aller Heilkräuter. Als Schutz- und Heilpflanze ist er den weiblichen Gottheiten geweiht. Als Heilpflanze steht der Beifuß für Gesundheit und Fruchtbarkeit. Er wirkt konstitutionsstärkend und unterstützt das Immunsystem. Der Beifuß enthält viele Bitterstoffe sowie ätherische Öle (Amarum aromaticum) und wirkt magenberuhigend. Zudem gehört er zu den wichtigsten Frauenkräutern, da er Unterleibsschmerzen mindern kann, den Blutfluss reguliert und die Intuition fördert. Das Kraut als Gewürz, Tee oder Tinktur.


Schafgarbe


Auch die Schafgarbe (Achillea millefolium) ist eine der wichtigen Heilpflanzen in der überlieferten Heilkunde. Sie wird auch als Frauenkraut, Achilleskraut oder Bauchwehkraut bezeichnet. Wirkt entkrampfend und entzündungshemmend, blutreinigend, blähungswidrig, galletreibend, hartreibend, antimikrobiell und antimykotisch, wundheilend, blutgerinnungsfördernd, blutflusshemmend. Wunderbares Bittermittel, bei Magen- und Darmbeschwerden, zur Appetitanregung. Regt die Nierentätigkeit an, deshalb auch oft in Entschlackungskuren enthalten. Kraut und Blüten als Tee oder Tinktur, frisch als Würzkraut.





Wermut


Der Wermut (Artemisia absinthium) ist eng verwandt mit dem Beifuß. Er ist keine bei uns heimische Pflanze, aber schon sehr lange Zeit in Kloster- und Bauerngärten zu finden. Wermut enthält reichlich Thujon, das überdosiert unter anderem zu Verwirrtheitszuständen führen und das Nervensystem schädigen kann. Deswegen sind Absinth und Wermutprodukte heute zwar wieder wieder frei verkäuflich, allerdings ist ihr Thujongehalt gesetzlich reguliert. Alte Heilpflanze, vor allem von Hildegard von Bingen sehr geschätzt. Wegen seiner vielen Bitterstoffe wird der Wermut meist bei Magen- und Darmbeschwerden eingesetzt, aber auch bei Kreislaufschwäche, Rheuma und Arthritis, Nervenschmerzen, Depressionen und Heuschnupfen. Das Kraut als Frischsaft, nach Hildegard von Bingen in Wein angesetzt oder blättchenweise Tees oder Magenbittern beigeben.


Löwenzahn


Der Löwenzahn (Taraxacum officinale) gehört zu den Korbblütlern und blüht im Frühjahr sonnengelb. Er unterstützt die Tätigkeit von Leber, Galle und Niere und wird deshalb häufig zur Entschlackung und Entgiftung in Frühjahrskuren angewendet. Er wirkt entwässernd und blutreinigend, und beeinflusst das Bindegewebe positiv. In der überlieferten Heilkunde wird ihm zudem allgemein eine stärkende Wirkung zugeschrieben. Deshalb wird der Löwenzahn auch bei allgemeiner Schwäche, Müdigkeit oder Erschöpfungszuständen eingesetzt. Ebenso hilft er bei einer Übersäuerung des Körpers sowie bei Rheuma und Gicht. In der alten Kräuterliteratur wird er sogar als Augenheilmittel beschrieben. Kraut und Wurzel als Tee, Tinktur oder die Blätter auch in den Salat, Pesto, Kräuterbuttern.






Meisterwurz


Die Meisterwurz (Peucedanum ostruthium) ist ein ganz besonderes Pflanzenwesen. Sie gehört zu den Doldenblütlern, mit einem relativ unauffälligem weißen, doldenförmigem Blütenstand. Die Meisterwurz ist eine typische Gebirgspflanze und nicht im Flachland zu finden. Sie wächst an feuchten, nährstoffreichen, oft steinigen Standorten. Die Meisterwurz gehört zu den großen Heilpflanzen. Sie wird vor allem bei Magen- und Darmverstimmungen, bei Erkrankungen der Atemweg, zur Unterstützung des Immunsystems und bei Schwächezuständen eingesetzt. Auf der seelischen Ebene fördert sie unser Selbstbewusstsein. Verwendet werden Wurzel und Blätter als Tinktur, Likör oder Sirup.


Hopfen


Der Hopfen (Humulus lupulus) gehört zu den Hanfgewächsen. Bei uns meist kultiviert, wächst er aber auch wild als Schlingplanze mit 'Dolden' als Blüten in feuchten Gebüschen, an Ufern, Waldrändern und in Hecken. Enthält vor allem Bitterstoffe, ätherisches Öl, Flavonoide, Harzsubstanzen, Humulon und Lupolon. Als Heilfpflanze wird er in der überlieferten Heilkunde bei nervöser Erregung, leichten Depressionen oder Einschlafstörungen eingesetzt. Außerdem durch seine Bitterstoffe und Gerbstoffe appetitanregend, zudem anregend auf den Periodenzyklus. Die Hopfenblüten (Hopfen'dolden') als Tee.


Mariendistel


Die Mariendistel (Silybum marianum) ist wohl das Lebermittel schlechthin. Sie gehört zu den Korbblütlern und kommt ursprünglich aus Südeuropa. Mit ihren großen, dornig gezähnten, grünweiß marmorierten Blättern ist sie unverkennbar. Sie blüht purpurrot und bildet schließlich ihre großen, kugelförmigen und sehr stacheligen Früchte aus (die sogar Arbeitshandschuhe durchdringen, wie ich beim Helfen auf einem Südtiroler Kräuterhof in mehrstündiger Ernte erfahren durfte). Diese Früchte werden zu Heilzwecken verwendet, bei verschiedensten Themen rund um die Leber. Die Früchte oder das Kraut als Tee.







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HINWEIS: Einige der oben genannten Pflanzen dürfen nicht in der Schwangerschaft eingesetzt werden. Vorsicht bei einer Allergie gegen Korbblütler. Diese Informationen ersetzen nicht die Beratung eines Arztes, Apothekers oder Heilpraktikers. Alle erwähnten Heilpflanzen haben wissenschaftlich belegte Wirkungen oder haben ihre Tradition in der überlieferten Heilkunde und werden schon lange erfolgreich eingesetzt.





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