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  • Laura Deichl

Runen

Die Runen sind Mysterium, Schriftzeichen, Klang, uralte Sakralschrift und Zauberzeichen zugleich. Als Archetypen, Urbilder der menschlichen Erfahrung hier auf Erden, können wir mit ihnen kraftvoll arbeiten - sei es mit Menschen oder Orten.




Runian, rune, raunen, runar, rhin, runo, rún, rúnir - flüstern, Geheimnisse, Mysterien raunen, magischer Zauber, das Lied, die Beschwörung, Zauberzeichen. Etymologisch mit ihrem Namen in allen alteuropäischen Sprachen zu finden. Die Runen sind Mysterium, Schriftzeichen, Klang, uralte Sakralschrift und Zauberzeichen zugleich. Wohl schon seit tausenden von Jahren von Menschen verwendet und zu finden in alten Höhlenmalereien und Gegenständen. Doch waren sie wohl nicht (nur) einfache Schriftzeichen, sondern wurden stets für sakrale nie für profane Zwecke verwendet. Denn weit über ihren Laut und ihr Bild hinaus sind sie kraftvolle Archetypen, Urbilder, magische, wesenhafte Symbole, mit denen wir für Menschen und Orte arbeiten können. Ein Beitrag über die Wurzeln der Runen, ihren magischen Dreiklang, das ältere Futhark im Kurzüberblick und ihre praktische Verwendung.



Wurzeln der Runen


Wo die Runen wirklich herkommen, wissen wir nicht. Der Mythologie zufolge soll Odin, der germanische Schamanengott, sie empfangen haben als er neun Tage kopfüber im Weltenbaum hing. Oft werden sie aus der römischen, griechischen, phönizischen oder Vinca Schrift abgeleitet, doch finden sich Zeugnisse von runenähnlichen Zeichen, die sehr viel älter sind und bis zu Höhlenmalereien 40.000 v.u.Z. zurückreichen. Verwendet worden sind sie von verschiedensten Volksgruppen innerhalb Europas durch unterschiedlichen Zeitalter hindurch.





Wesenhafte Archetypen


Grundsätzlich sind Runen erst einmal eine Schrift in Ideogrammen (Bildzeichen; wie heute noch in China, Japan)), die einer Schrift in phonetischen Zeichen gegenübersteht (Lautzeichen; wie unser Alphabet). Doch sie sind viel mehr als das. Runen sind definiert über:


  • einen Laut

  • ein Zeichen

  • einen Namen und

  • ein Bild


Ein Beispiel, der Laut H, mit dem Zeichen ᚺ ist die Rune mit dem Namen Hagalaz und dem Bild des Hagels.


Nochmal darüberhinaus sind Runen kraftvolle Archetypen, Urbilder der Menschheit, die sich in dieser und anderer Form immer und immer wieder zeigen. So verkörpert Hagalaz als Rune den Hagel, aber darüber hinaus die Bedeutung der Härte, Naturgewalt, Zerstörung, wie auch des Kristallinen, Eiskristalls, der strukturhaften Ordnung. Hagalaz zerstört, aber nicht notwendigerweise nur im negativen Sinne, sondern sie sprengt auch eingefahrene Muster, alte nicht mehr dienliche Strukturen ins uns, um Platz für eine neue Ordnung zu schaffen. Du kannst also mit Hagalz arbeiten, um eine Schwelle in einen neuen Seinszustand hinein zu durchbrechen. Runen sind somit nicht nur Schriftzeichen, sondern Urbilder des menschlichen Lebens und unserer Erfahrung hier auf der Erde.






Ritzen - Röteln - Raunen


Die Rune lebt vom magischen Dreiklang des Ritzen, Röteln und Raunen. Das Ritzen oder Meißeln erfolgt in Holz oder Stein, was der Rune ihren phyischen Körper verleiht. Über das Röteln mit Rötel, Ocker, Pflanzensaft, eigenem Blut oder dem eines Opfertieres (natürlich kein Aufruf dazu) wurde ein bestimmte Kraft hineingeholt, der Rune wurde damit die Lebendigkeit geschenkt. Das Raunen, oder der Runengesang, das Singen und Tönen der Rune war vielleicht seit jeher die Essenz der Runenarbeit. Mit dem Tönen wurde die Rune in ihre Kraft gerufen und aktiviert. So bleibt es bis heute besonders kraftvoll, seine Runen selbst herzustellen - im magischen Dreiklang von Ritzen, Röteln und Raunen.







Das ältere Futhark


Wie auch in heutigen Schriften gibt verschiedene Reihen von Runen, die sich manchmal mehr, manchmal weniger unterscheiden in ihren Schriftzeichen, Namen und Bildern. Das ältere Futhark besteht aus 24 Runen. Der Name 'Futhark' setzt sich dabei einfach aus den ersten sieben Zeichen zusammen (wie bei unserem Alphabet - Alpha und Beta, A und B; bzw. umgangsprachlich auch das 'ABC'). Wie folgt eine sehr komprimierter Überblick über die 24 Zeichen mit Zeichen, Name, Laut und Bild sowie ein paar ausgewählten weiteren Bedeutungen (das ganze Wesen der einzelnen Rune ist natürlich noch weitaus komplexer):



FEHU - F - Vieh; beweglicher Besitz, Talente, Fähigkeiten

URUZ - U - Ur (Auerochse); Kraft, Urkraft, Charakterstärke

THURISAZ - TH - Thurse (Riese); Urgewalt

ANSUZ - A - Anse, Ase, Gott; spirituelle Kraft

RAIDO - R - Fahrt; Ritt, Wagen, Bewegung

KENAZ - K - Kien (Span); Fackel, Entzündung, Krankheit

GEBO - G - Gabe; Geschenk, Geben und Nehmen

WUNJO - W - Wonne; Freude, Zufriedenheit

HAGALAZ - H - Hagel; Unwetter, Zerstörung, Struktur

NAUTHIZ - N - Not, schicksalhafter Zwang, Notwendigkeit

ᛁ  ISA - I - Eis; Innehalten, Stillstand, Dauer, Schwelle

JERA - J - Gutes Jahr; Erfolg, Ertrag, Karriere

EIWAZ - E - Eibe; Ewigkeit, Leben und Tod

PERTHO - P - Fruchtbaum; Lebensaufgabe, Göttin

ALGIZ - Z - Elch; Schutz, Abwehr, Seelenvogel

SOWILO - S - Sonne; Selbstbewusstsein, Seelenfeuer

TIWAZ - T - Tiu, Tyr (Himmelsgott); Fokus, Zielgerichtetheit

BERKANA - B - Birke; Leichtigkeit, Neubeginn, Weiblichkeit

EHWAZ - E - Pferd; Beziehung, Ehe, Vertrauen

MANNAZ - M - Mensch; Menschsein, höheres Selbst

LAGUZ - L - Wasser; Fließen, Gefühle, Fruchtbarkeit

INGWAZ - NG - Gott des furchtbaren Jahres; Schöpferkraft

OTHILA - O - Ererbter Besitz, Ahnenlinie, Verantwortung

DAGAZ - D - Tag; Bewusstsein, Helligkeit, Erleuchtung



Wichtig zu verstehen ist, dass keine Runde per se positiv oder negativ ist, sondern immer beide Seiten beinhaltet. Beispielsweise, ISA beinhaltet nicht nur den Stillstand, sondern auch die Fähigkeit den rechten Zeitpunkt abzuwarten. NAUTHIZ ist nicht nur der schicksalhafte Zwang oder die Not, sondern auch die Not-Wendigkeit, das Wenden der Not durch eigenes Handeln. EIWAZ ist der Tod, aber auch das Leben.






Aettir - Die drei Welten


Die 24 Runen sind in drei Achtergruppen (Aettir) aufgeteilt, die den drei Ebenen des Weltenbaums der germanischen Mythologie entsprechen. So gehören die ersten achte Runen (Fehu bis Wunjo) zu Asgard, der oberen, göttlichen Welt. Die zweite Achtergruppe (Hagalaz bis Sowilo) zu Midgard, der physischen, mittleren Welt. Die dritte Achtergruppe (Tiwaz bis Dagaz) entspricht Utgard, der unteren Ahnenwelt.



Runenmagie


Mit den Runen können wir wunderbar arbeiten, um kraftvolle Impulse für Menschen, aber auch Orte zu setzen. Entweder als Einzelrunen, oder zusammengeführt als Binderunen oder Stabrunen, können wir sie tönen, in Holz oder Stein ritzen oder meißeln, als Bild zeichnen, in Wasser und andere Gegenstände rufen oder rituell verbrennen um ihre Kraft in einen Ort hinein zu transformieren. Bekannt sind auch bestimmte Runenformeln, die schon seit sehr langer Zeit in dieser Form verwendet werden - wie beispielsweise LAUKAZ für Heilung und Gesundheit, HLUTRAZ zur Reinigung oder ALU für Anbindung, Schutz und Bekräftigung. Eine alte Runenpraxis ist natürlich zudem das Orakeln mit Runen anhand von verschiedensten Legesystemen.


So können die Runen als kraftvolle Urbilder uns auch heute wunderbar dienen, um zu analysieren, welche Kräfte in eigenen Situationen oder Seelenzuständen, Beziehungen, Systemen, Projekten, Geschäftsideen oder Ortsgefügen wirken, beziehungsweise, um diese kombiniert mit systemischer Arbeit auf heilsame, kraftvolle Weise zu verändern oder zu transformieren, und weiterzuentwickeln.



Praxis



  • Töne für eine Weile ALU und fokussiere dich dabei nacheinander auf dein Mentalfeld (A - Kopfbereich, Emotionalfeld (L - Herzbereich) und Vitalfeld (U - Unterleib). Töne dann auch rückwärts (ULA), dann fließend in beide Richtungen (ALUULAALUULA).

  • Schreibe deinen Namen in Runen. Welche Urbilder trägst du darin? Wenn du einen Spitznamen hast, welche Kräfte unterschlägst du, welche betonst du?











Weiterführend:


Buch. Baumgarten, Annette (2023). Nordischer Schamanismus. Der Ruf der Geister. 2. Auflage. Freya Verlag, Engerwitzdorf/Mittertreffling.


Kurs. INANA, Brönnle, Stefan. Die Magie der Runen.


















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