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  • Laura Deichl

Landschaften & unsere Seele

Landschaften sind das, was uns Menschen in die Tiefe prägt - wenn auch unbewusst. Erkennen wir ihre verschiedenen Ebenen, lernen wir die Erde wie uns selbst wieder zu verstehen. Ein Beitrag über Methoden der Landschaftinterpretation in der Geomantie.



Die Landschaften, in denen wir leben, sind das, was uns in die Tiefe prägt. Wenn auch meist unbewusst. Es sind ihre Formen, Gesteine, Gewässer, Farben, Klänge auf der physischen Ebene, aber auch die Aspekte ihrer ätherischen und geistig-seelischen Ebene. Eines meiner Lieblingszitate ist hier von Gary Snyder:


"Dieses lebende, fließende Land ist alles, was ist, immerdar.

Wir sind es. Es singt durch uns."


Wenn wir die verschiedenen Ebenen einer Landschaft und ihrer Wirkung wieder erkennen und zu verstehen lernen, lernen wir die Erde wieder in die Tiefe und in ihrem Wesen verstehen. Doch viel mehr als das - auch uns selbst. Denn die Landschaften sind immer Spiegel unserer Seele, sie prägen zutiefst wer wir sind. In der Geomantie gibt es verschiedenste Herangehensweisen, Methoden und Techniken der Landschaftsinterpretation - dieser Beitrag ist eine kleine Einführung dazu.



Ansätze der Landschaftsinterpretation


Bei der geomantischen Landschaftsinterpretation kann man zunächst unterschiedliche Ansätze unterscheiden, die sich im Wesentlichen im zugrundeliegenden Weltbild (Ontologie) differenzieren: kausal, assoziativ oder intuitiv-erfahrend.


Kausal


In der kausalen Sichtweise betrachtet man verschiedene Aspekte der Landschaft und deren kausale Wirkung. Landschaftsformen wie Berge und Täler, Ebenen, Flüsse oder Seen, Gesteinsarten, Pflanzenvorkommen, Bergformen, Gewässer werden beispielsweise in ihrer Wirkung auf Energie und Energiefluss (auch Äther, Chi) in der Landschaft wie auf den Menschen betrachetet (wie 'Die Energie fließt so und so, weil das Tal so und so verläuft.' 'Die Menschen sind eher mental veranlagt, weil das Land durch Ebenen geprägt ist.'). Dabei sehen wir uns grundsätzlich in Trennung von unserem Außen, das ursächlich auf uns einwirkt.


Assoziativ


In der assoziativen Sichtweise wird die Landschaft im Analogiedenken interpretiert. So sehen bestimmte Berge aus wie eine Drache, ein Fels wie ein Gesicht, ein Fluss windest sich wie eine Schlange, ein Landschaftmuster aus der Vogelperspektive wie eine weibliche Figur. Drei wichtige Berge der Region entsprechen dem weißen, roten und schwarzen Prinzip, beziehungsweise, Aspekt der Großen Göttin. In Analogien werden so Schlüsse über Funktionen, Geschichte oder Wesen der Landschaftselemente gezogen (wie 'Der Berg verkörpert den Aspekt der schwarzen Göttin und funktioniert damit für die Umgebung als Ort der Transfomation und Wandlung.') Dabei wird vor allem unser bildhaftes, akausales, archaisches Denken angesprochen, und wenig das kausale, rationale. In dieser Herangehensweise spiegeln wir viel unseres Inneren in die Landschaft, unsere kulturellen wie individuellen Prägungen und Erfahrungen, und nutzen diese für die Interpretation. Auch die Landschaftsmythologie und deren Deutung fällt in diesen Ansatz.


Intuitiv-erfahrend


In der intuitiv-erfahrenden Sichtweise lösen wir uns vollkommen von Konzepten, sondern lassen uns intuitiv von der Landschaft selbst führen. Wir werden Teil der Landschaft, oder vielmehr, wir werden zur Landschaft und erfahren uns selbst durch sie. Die Trennung zwischen uns und dem Außen wandelt sich in Verbindung, Identität. Wir erkennen Synchronizitäten, im Spiegel zwischen uns und der Landschaft, Innen und Außen. In dem, was wir in der Landschaft erkennen, erkennen wir uns selbst. Die Landschaft wird zum Erfahrungsraum.



Landschaftselemente - Wasser, Stein, Baum


Es gibt drei wesentliche Landschaftselemente, die seit archaischen Zeiten als prägend erachtet werden und in Mythen, Ritualen und Bräuchen verschiedenster Kulturen ihren Ausdruck finden - Wasser, Stein (bzw. Berg) und Baum (bzw. Pflanze). Diese Landschaftselemente bilden die wesenliche Basis für die Landschaftsinterpretation. Dabei stehen diese Landschaftselemente natürlich für sich in ihrer physischen Form - sie weisen aber auch über sich hinaus auf eine tiefere Bedeutungsebene und sind dabei Träger bestimmer geistig-seelischer Qualitäten (mehr dazu im Blogbeitrag Chaos und Kosmos).


Wasser


Das Wasser steht auf symbolischer Ebene für Reinigung, ist Träger des Numinosen und geistig-seelischer Qualitäten und zudem Lebens- und Fruchbarkeitssymbol. Dies findet seinen Ausdruck in Praktiken der kultischen Reinigung, Taufen, Totenwaschungen, dem Weihwasser oder Osterbrunnen, der alten Vorstellung das Kinderseelen aus den Seen kommen, sowie den heiligen Quellen. In der Landschaftsinterpretation betrachten wir Flüsse, Seen und andere Gewässer in ihrer Funktion für und Wirkung auf Landschaft und Menschen (Hydroenergetik).


Stein


Der Stein, wie auch der Berg, gehören ebenso zu den archaischen Landschaftselementen. Auf der symbolischen Ebene sind Stein und Berg auch Träger des Numinosen - Sitz von Geistern oder Göttern. Scheinbar unveränderlich wie sie sind, sind sie zudem Symbol der Ewigkeit, Zeitlosigkeit, Zeiger der Zeit. Und sie sind seit jeher Weltenachse, axis mundi, die das Irdische mit dem Göttlichen verbinden. In der Landschaftsinterpretation betrachten wir Stein und Berg in Topographie, Bergformen, Gesteinsarten in ihre Wirkung und Bedeutung für Landschaft und Menschen (Lithoenergetik).


Baum


Der Baum (oder auch die Pflanze) ist symbolisch ebenso Lebenskraftträger und Fruchtbarkeitssymbol. In der Mythologie wird der Baum oft als menschengleiches Wesen, wobei Mensch und Baum aufs Innigste miteinander verbunden sind. Und auch der Weltenbaum ist in verschiedensten Kulturen als axis mundi, als Weltenachse zu finden. In der Landschaftsinterpretation betrachten wir daneben Vegetation, Pflanzengeselleschaften, Wuchsformen, Vorkommen bestimmter Pflanzen in ihrer Wirkung auf Landschaft und Menschen (Phytoenergetik).



Die Geomantie betrachtet diese Landschaftselemente in ihrer ätherischen und geistig-seelischen Wirkung auf die Landschaft und die dort lebenden Menschen. Die beschriebenen Qualitäten und Symboliken wirken dabei permanent mit, wenn auch unbewusst.



Wirkung der Landschaft auf die Psyche


Die Landschaft schwingt in uns, immerzu. Im Buch 'Landschaften der Seele' beschreibt Stefan Brönnle, wie Landschaften auf unser Bewusstsein und unsere Psyche wirken. Seit Urzeiten sind Landschaften sowie die Mensch-Natur Beziehung Gegenstand der Kunst, Philosophie, religiöser wie spiritueller Lehren wie auch der Psychologie.


Die Landschaftselemente stehen dabei umittelbar in Interaktion mit Psyche und Bewusstsein. So hat das Gestein, auf dem wir leben, eine bestimmte Wirkrichtung. Primärgestein entwickelt ungelebtes Potential, unterstützt aber auch das Traditionelle und Beständige, was für dynamische Menschen eher anstrengend sein mag. Sekundärgestein bringt neue Lebensaspekte zu uns, was für Stabilitätssuchende fordernd sein kann. Tertiärgestein transformiert und wandelt, was durchaus herausfordend sein kann, weil es an unseren tiefsten Überzeugungen rüttelt. Auch die Topograhpie prägt - während die Berge eher das Bewusstsein für Tradition und das Bekannte unterstützen (Beispiel: Alpenraum - Kräuterkunde, Katholizismus), resoniert mit den Ebenen das Nordens eher das Mentale, die Logik, der kühle Kopf. Eine kleinteilige, geschlossene, dicht bewaldete Landschaft brachte seit jeher Religionen mit vielen Gottheiten hervor (Beispiel: Hinduismus, keltische und germanische Vorstellungswelt), während die Wüste, in der die Erde zugunsten der unermesslichen Weite zurücktrat und Platz für den Kosmos machte, den Monotheismus (Beispiel: Islam, Judentum, Christentum) hervorbrachte. Auch Böden, Vegetation, Gewässer, Farben, Klimazonen - alles das beeinflusst zutiefst, wer wir sind.


Die Landschaftsinterpretation arbeitet dabei oft über den Begriff des Äthers. Die Äthergeographie betrachtet, wie Landschaftsformen, Gesteinsarten, Böden, Gewässer etc. die Präsenz der Elementeäther - Wasseräther, Feueräther, Luftäther und Erdäther - beeinflussen und damit die Landschaft und den den Menschen prägen.


Praxis der Landschaftinterpretation


In der geomantischen Landschaftsinterpretation können wir verschiedenste Methoden und Techniken anwenden, wie folgt eine Auswahl:


  • Physische Ortswahrnehmung - Topographie, Gesteine, Gewässer, Böden, Vegetation, Richtungsqualitäten

  • Ätherische Ortswahrnehmung - Energiefluss (Chi), Elementeäther

  • Wahrnehmung geistig-seelischer Aspekte über Bewusstseinsfokussierung (z.B. über Identifikation mit dem Berg, Fluss)

  • Radiästhesie (Rutengehen)

  • Kartenarbeit - Strukturen, Ätherfluss, Verdichtungen, Vebindungen, Flurnamen

  • Arbeit mit Mythologie, Legenden, Sagen, alten Erzählungen

  • Trancearbeit zu bestimmten Orten oder Landschaftsräumen (z.B. Haltungstrance)



Landschaften der Seele


Die verschiedenen Herangehensweisen an die geomantische Landschaftsinterpretation lassen uns verschiedenste Facetten, Aspekte, Ebenen einer Landschaft erkennen und erfahren. Ihre physische, ätherische wie auch geistig-seelische Dimension. Durch sie lernen wir eine Landschaft und damit die Erde selbst wieder in die Tiefe kennen und in ihrem Wesen verstehen. Doch viel mehr als das - auch uns selbst, unseren Charakter, unsere Persönlichkeit. Denn die Landschaften sie sind immer Spiegel unserer selbst und unserer Seele, sie prägen zutiefst wer wir sind.


Geht man noch einen Schritt weiter in ein Verständnis, in der die Erde in allen ihren Aspekten durchseelt und durchgeistigt ist, ist Landschaftsinterpretation eigentlich vielmehr eine Interaktion zwischen uns Menschen und der Erde. Es ist unser Versuch, die Erde, Gaia, als Wesen besser zu verstehen und mit ihr in einen Austausch zu treten. Und sei es 'nur' über das Analogiedenken und Bilder. Denn in diesem Moment sind diese Bilder einfach unsere Brille, unsere Perspektive, unsere Sprache, um als Menschenwesen ein Verständnis für die anderen Wesen der Erde zu entwickeln. Ein Prozess des Sinn-machens (sense-making), wo wir ihn anderweitig (noch) nicht machen könnten.


So ist die Landschaft, in der wir leben, keine Kulisse mehr. Sie schwingt in uns - sie singt in uns.




***


Empfehlung: Mehr zu meiner geomantischen Beratung findest du hier.






Weiterführende Literatur:


Brönnle, Stefan (1994). Landschaften der Seele. Von mystischen Orten, heiligen Stätten und uralten Kulten. Kösel Verlag, München.


Gehringer, Petra (2017). Geomantie. Wege zur Ganzheit von Mensch und Erde. 4. Auflage. Neue Erde, Saarbrücken.


LaChapelle, Dolores (2013). Weisheit der Erde. Von der Erde lernen, heißt Leben lernen. 1. Auflage der Neubearbeitung von 2013. Neue Erde, Saarbrücken.


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