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  • Laura Deichl

Holunder, alte Schwellenpflanze

Aktualisiert: 11. Juni

Wenige Pflanzen sind von so vielen Mythen umwoben wie der schwarze Holunder (Sambucus nigra), seit jeher als Heil- und Schutzbaum verehrt. Der Holunder in seinem Pflanzenwesen, Heilkunde, Mythologie und Räucherkunde.




Der schwarze Holunder (Sambucus nigra) gehört zu den großen Mysterienpflanzen, ein Sinnbild wahrhafter geistiger Entwicklung in den alten Einweihungsschulen. Er ist seit jeher als Heil- und Schutzbaum sowie Fruchtbarkeitsspender verehrt. Mit dem Wacholder gehört er zu den ältesten Sakralpflanzen. Menschen brachten oft kleine Opfergaben mit, etwas Mehl, einen Schluck Bier, ein bisschen Milch. Schon in alten Zeiten war der Holunder wichtigste Hofpflanze und ist noch heute oft neben alten Scheunen, Stallungen oder Bauernhäusern zu finden. Kulinarisch ist der schwarze Holunder wunderbar vielseitig einsetzbar. Holunderblüten können zu Sirup, Hollerkücheln, Hollerblütenessig oder Desserts verarbeitet werden, die schwarzen Holunderbeeren zu Hollerbeerensirup, Kompott oder Saft. Auch die grünen Holunderfrüchte eignen sich eingelegt in Salz und Essig wunderbar als falsche Kapern. Doch allen voran ist der schwarze Holunder eine machtvolle Heil- und Räucherpflanze. Ein Portrait über den schwarzen Holunder in seinem Pflanzenwesen, Botanik, Heilkunde und Räucherkunde.


Pflanzenwesen


Schon in seinen weißen Blüten und schwarzen Früchte spiegeln sich der Schwellenaspekt und die Wandlungskraft des Holunder. Schwarz und weiß, Tod und Wiedergeburt. Ich nehme das Pflanzenwesen des Holunder als einen unglaublich warmen und dichten, dunklen Raum wahr. Es ist eben genau die Qualität von Dichte, in der Wandlung passieren kann. Der Holunder hat viel mit Vervollkommnungs- und Reifungsprozessen zu tun, dem Erwachsenwerden und Verantwortung übernehmen. Dinge, die in einer inneren Arbeit zueinander und in Vollendung kommen.


Doch der Holunder weiß auch, wann Dinge zu Ende gehen müssen, um in etwas Neues zu treten. Seine verholzenden Äste wachsen immer zunächste gen Himmel, werden dann aber wie von der Schwerkraft der Erde angezogen und wachsen wieder Richtung Erde. Daraus enstehen seine bogenförmigen Äste, aus deren Höhepunkten wiederum neue Bögen wachsen. Wie Lebenspfade, die immer wieder in neue münden, und darin auch genommen werden wollen.


In meiner Wahrnehmung fühle ich mit der Präsenz seines Pflanzenwesens auch eine große Geborgenheit, wie wenn mich Arme von hinten zum Schutz behütend umfassen würden. Ein weiterer Aspekt, den ich sehr intensiv wahrnehme, ist die Zeit, die scheinbar stillzustehen scheint. Es öffnet sich wie ein Fenster der Zeitlosigkeit in der Zeit.



Botanik

Der Schwarze Holunder (Sambucus nigra) hat unpaarig gefiederte Blättern. Er verzweigt und verholzt. Er trägt weißgelbe Blüten im Frühjahr und die schwarzen Holunderbeeren im Herbst an hängenden 'Dolden'. Verwendet werden können Blüten und Früchte, letztere müssen jedoch vor Verzehr erhitzt werden, um das enthaltene Sambunigrin unschädlich zu machen. Die grünen Teile des Holunder sind giftig.







Heilkunde

Schon in alten Zeiten war der Holunder eine der wichtigsten Heilpflanzen. Er wird insbesondere bei Krankheiten eingesetzt, die mit der Atmung und Entzündungen zu tun haben. Die Blüten enthalten unter anderem ätherische Öle, schweißtreibende Glykoside, Flavonoide, Gerbstoffe und Schleimstoffe. Sie werden zumeist bei fieberhaften Erkältungen angewendet, da sie stark schweißtreibend wirken, aber auch bei chronisch entzündlichen Atemwegserkrankungen, Sinusitis. Vor allem eigenen sie sich auch vorbeugend als Kur zur Mobilisierung der körpereigenen Abwehrkräfte. Die Holunderbeeren sind reich an Vitamin C, B Vitaminen, Flavonoiden und Phenolsäuren. Sie werden ebenso zur Stärkung des Immunsystems und zur Vorbeugung und Behandlung von Erkältungen und Infekten eingesetzt.


Auf der seelischen Ebene unterstützt der Holunder wie oben beschrieben bei Reifungsprozessesen. Der wunderbare Roger Kalbermatten schreibt "bei allen körperlichen und seelischen Wärmeprozessen, die nicht zur Vollendung gekommen sind, wo also die Verbrennung zu Erliegen gekommen ist, weil zu wenig Luft vorhanden ist." Miasmatisch ist der Holunder auch der Skrophulose zugeordnet, dem Miasma der maximalen Wandlungs- und Transformationskraft, in dem alle Verstoffwechselungsprozesse auf körperlicher wie seelischer Ebene stattfinden.


Verwendet werden die Holunderblüten frisch oder getrocket als Tee oder Holunderblütentinktur. Wunderbar sind sie auch als Badezusatz oder Dampfbad geeignet. Ich kombiniere sie gern mit Lindenblüten, die sich optimal in ihrem Wirkspektrum ergänzen. Ebenso können die Holunderbeeren verwendet werden, diese müssen aber auch dann vor Gebrauch 10-15 Minuten erhitzt werden. Das kann man zum Beispiel in Form eines heilsamen Hollerbeerensirups tun.









Mythologie


Der Holunder ist auch Schwellenpflanze und Verbindung zur Unterwelt. Dies ist das Reich von Frau Holle (Elda, Hulda, Freya), der ältesten Göttin, Muttergöttin und Fruchtbarkeitsgöttin in der germanischen und nordischen Mythologie. Sie ist aber auch Göttin über die Unterwelt, weshalb der Holunder oft als Schwellenpflanze zur Unterwelt betrachtet wird. Wie der Holunder weiße Blüten und schwarze Früchte hat, ist Frau Holle sowohl Göttin der Fruchtbarkeit als auch des Todes. Sie nimmt die Toten auf und gibt ihre Seelen als Kinder wieder frei. Unter dem Holunder soll bekanntlich auch immer reges Treiben herrschen, da Zwerge, Erdwesen und Andersweltliche von oben nach unten und zurückwechseln. So sagt man, unter dem Hollerstrauch wäre kein guter Platz für einen ruhigen Schlaf.



Räuchern

Das Räuchern der Blüten unterstützt Übergangsrituale und hilft die Lebensaufgabe zu finden. Er hilft uns dabei, in die für uns stimmige Bewegung zu gehen. Außerdem kennt der Holunder den richtigen Zeitpunkt, wann es ‚an der Zeit’ für etwas ist. Da auch der Holunder der Erdgöttin geweiht ist, kann man den Holunder auch ihr zu Ehren räuchern.







Erwähnte Literatur:


Kalbermatten, Roger (2019). Wesen und Signatur der Heilpflanzen. Die Gestalt als Schlüssel zur Heilkraft der Pflanzen. 10. Auflage. AT Verlag: Aarau, Schweiz.




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HINWEIS: Holunderbeeren müssen vor Verzehr unbedingt erhitzt werden. Diese Informationen ersetzen nicht die Beratung eines Arztes, Apothekers oder Heilpraktikers. Alle erwähnten Heilpflanzen haben wissenschaftlich belegte Wirkungen oder haben ihre Tradition in der überlieferten Heilkunde und werden schon lange erfolgreich eingesetzt.










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