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  • Laura Deichl

Die Mitte in Mensch und Raum

Der Mensch hat ein tiefes psychologisches Bedürfnis nach einer Mitte. Nicht umsonst sprechen wir von Medizin, von Meditation. Denn erst, indem wir uns unserer eigenen Mitte bewusst werden, erkennen wir uns selbst.



Der Mensch hat ein tiefes psychologisches Bedürfnis nach einer Mitte. Nicht umsonst sprechen wir von Medizin, von Meditation. Denn erst, indem wir uns unserer eigenen Mitte bewusst werden, erkennen wir uns selbst. Die Mitte, unser Kern, unsere Essenz, unser Bezugspunkt, der uns Stabilität gibt und zu dem wir immer wieder zurückkehren können, wenn wir mal aus dem Gleichgewicht gekommen sind. Die Mitte ist das, an was wir uns ausrichten, unserem Leben eine Richtung geben.


Die Mitte, der Omphalos, war in den alten Weltbildern noch ein zentrales Thema (wortwörtlich!) – egal ob in der Architektur, der Städteplanung oder im Menschen selbst. So hat und hatte in der Menschheitsgeschichte jede Kultur ‚ihre’ Mitte der Welt – sei es Jerusalem, Mekka, Rom oder Peking. Jede Stadt, jedes Gebäude, jeder Park oder Garten, und natürlich auch jeder Mensch hatte eine klare, eindeutige Mitte. In unserer heutigen Kultur fehlt es in der Hausplanung, Siedlungsplanung, Städteplanung oder Gartenplanung meist an einer expliziten Mitte. Und das spiegelt sich auch unmittelbar in unserer verlorenen Mitte im Inneren wieder.


Kosmos, Haus und Mensch


In archaischen Gesellschaften war die Mitte essentiell, wenn es darum ging sich an einem Ort sesshaft zu machen. Indem der Mensch einen Ort für sich einnahm, wiederholte er rituell den Schöpfungsakt. In dieser Kosmogonie machte er das Chaos zum Kosmos. Er schuf sich seine eigene Welt und setzte sich selbst in deren Zentrum. Das eigene Haus war somit Abbild der Welt, die Mitte des eigenen Hauses Abbild Mitte der Welt.


In dieser Mitte hatte der Mensch damit auch seine eigene axis mundi, seine Weltenachse als Zugang zur geistigen Welt. Er lebte synchron in beiden Welten, damit wäre ein Leben ohen diesen Zugang absolut undenkbar gewesen. Erst diese Ausrichtung am Höheren, am Heiligen, verlieh seinem Dasein in der profanen Welt seinen Sinn. Diese Mitte gab dem Menschen also erst die Orientierung, die es brauchte, um wirklich zu leben.


Holone & die Mitte im Landschaftraum


Geomantisch gesehen hat jeder Landschaftsraum eine Mitte. In der Geomantie sprechen wir hier von sogenannten Landschaftszentren, welche die geistige Mitte eines Landschaftsholons bilden (Def. Holon =: geistig-seelische Einheit). Diese werden oft schon Jahrtausende durch die Menschen genutzt – als Kultstätten, für Kirchen, Burgen, Machtinstitutionen usw. Oft liegen Landschaftszentren aber auch auf prägnanten Berggipfeln oder in Flussmändern.


Die Konzeption des Holons folgt, wie der Name schon andeutet, der Holographie. Somit hat jedes Holon natürlich Unterholone, die wiederum ihre eigene Mitte haben. Somit hat auch jede Stadt, jede Siedlung, jedes Haus oder jeder Garten eine Mitte oder zumindest einen Ort mit einem Potential dazu. In manchen Städten oder Häusern mag diese Mitte noch offensichtlich oder sogar besonders gestaltet sein.


Meist fehlt es aber in der heutigen Hausplanung, Siedlungsplanung, Städteplanung oder Gartenplanung an einer expliziten Mitte. Das spiegelt sich unmittelbar in unserer verlorenen Mitte im Inneren wieder. Wenn wir im Außen keine Mitte als Bezug haben, finden wir auch unsere eigene, innere Mitte nicht mehr. Wir müssen stattdessen unsere Grenzen durch extreme Aktivitäten austesten oder verlieren uns im Konsum - im Versuch zu finden, wer wir wirklich sind.


Die gestaltete Mitte


In der Geomantie arbeiten wir bewusst mit der Mitte von Häusern, Wohnungen, Gärten oder Siedlungen, und gestalten sie passend nach den Bedürfnissen ihrer Bewohner. Dabei muss die gestaltete Mitte nicht immer unbedingt in der physischen, geometrischen Hausmitte liegen (auch wenn das natürlich dem Ganzen nochmal zusätzlich Kraft verleiht). Vielmehr geht es um die Symbolik des gewählten Ortes. Bei der Gestaltung ist die wichtigste Grundlage, dass die Mitte in Resonanz zur inneren Mitte der jeweiligen Bewohner gestaltet wird und diese zum Ausdruck bringt.


Diese Verbindung zur Mitte gibt uns die Stabilität, die wir brauchen, um in einer oft turbulenten Welt unsere eigene Wahrheit zu leben, unabhängig von den äußeren Umständen. Sie verkörpert die Achse, die unseren Raum aufspannt und in ihn ausstrahlt, und auf die wir uns immer wieder beziehen können.


Reflektion


Ich lade dich ein, dir etwas Zeit zu nehmen, um in folgende Fragen hineinzuspüren.

  • Weißt du wo die Mitte deiner Wohnung, deines Hauses liegt? Wie ist sie gestaltet? Wie wird sie genutzt?

  • Wo ist die Mitte deiner Stadt, deines Ortes? Ist sie in irgendeiner Weise markiert oder gestaltet? In welcher Himmelsrichtung liegt sie von deinem Wohnort aus gesehen?

  • Wo ist die Mitte des Landschaftsraums, in dem du lebst? Wo ändert sich gefühlt der Landschaftsraum, wo sind seine Grenzen? Und was hätte es für einen Einfluss auf dein Landschaftsholon, wenn seine Mitte fehlen würde?

  • Und letztendlich, wo ist deine eigene Mitte? Wo ist dein Kern, deine Essenz? Deine stabile Mitte, zu der du immer wieder zurückkehren kannst?




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Nährere Infos zu meiner geomantischen Beratung findest du hier.




Weiterführende Literatur


Eliade, Mircea (1984) Das Heilige und das Profane. Insel Verlag: Frankfurt am Main.


Brönnle, Stefan (2010). Das Haus als Spiegel der Seele. Neue Erde: Saarbrücken.



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