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  • Laura Deichl

Die Wurzeln der alten Feste

Aktualisiert: 15. Dez. 2023

Wenn wir heute von den Jahreskreisfesten sprechen, meinen wir meist einen Zyklus von 4 Sonnenfesten und 4 Mondfesten. Über ihre Wurzeln, ihre Bedeutung für uns heute, und ein Überblick über die 8 Feste.





Die Ursprünge der Jahreskreisfeste wie wir sie heute kennen sind schon einige tausend Jahre alt und basieren auf den uralten Fruchtbarkeits- und Jahresfesten unserer Vorfahren nach Sonne und Mond. Sie haben ihre Wurzeln in den Ritualen unserer alten Jäger und Sammler Kulturen, die sich selbst noch als eingebunden in die Kreisläufe der Natur sahen, als spürbarer Teil des Ganzen. Mit diesen Ritualen zelebrierten sie dieses Eingebundensein im Innen und Außen – die Wiedergeburt des Lichts im Frühjahr, die Rückkehr der Lebenskräfte, die Fülle des Sommers, Dankbarkeit und Loslassen im Herbst, die Stille und Transformation im Winter.



Sonnen- und Mondfeste


Die Feste orientierten sich immer am Lauf von Sonne und Mond. Wenn wir heute von den Jahreskreisfesten sprechen, meinen wir meist einen Zyklus von vier Sonnenfesten und vier Mondfesten, die sich im Jahreskreis paarweise gegenüber liegen. Die Sonnenfeste (oben im Bild in gold) umfassen Winter- und Sommersonnwende als kürzesten und längsten Tag des Jahres, sowie die Frühjahrs- und Herbst-Tagundnachtgleichen. Die Mondfeste (oben im Bild in schwarz) liegen auf den Diagonalen, im Jahreskreis jeweils zwischen den Sonnenfesten.


Diese acht Feste und ihre Bräuche haben ihren Ursprung zwar in verschiedenen Kulturen – vor allem in der keltischen, germanischen und später der christlichen – doch haben sie in ihrer Essenz große Überschneidungen. Dabei haben die Sonnenfeste ihren Ursprung eher in der germanischen, die Mondfeste in der keltischen Kultur. Das genaue Datum der Feste kann von Jahr zu Jahr variieren (die Daten im Bild von 2023). Die Sonnenfeste sind vom genauen, astronomischen Zeitpunkt der Sonnwenden und Äquinotika abhängig. Die Mondfeste sind überhaupt erst viel später auf feste Daten fixiert worden. Die Mondfeste werden traditionell in der Nacht zuvor gefeiert, die Sonnenfeste am eigentlichen Tag.








Die zwei Welten


Natürlich zelebrierten und würdigten die Feste die Veränderungen der Natur im Außen. Doch es ist viel mehr als das. Sie stellten eine Art Bruch in der Zeitqualität dar, sie waren Schwellenmomente, Portale. In archaischen Kulturen erlebte sich der Mensch noch als eingebunden in den Erdenkomos. Er lebt synchron in zwei Welten - der physischen Welt und der geistigen Welt.


Die Zeitpunkte der Feste wurden als Schwellen erlebt und zelebriert - als eine heilige Zeit, die die profane Zeit unterbrach und damit ein Portal in die geistige Welt darstellte. Durch dieses Portal rückte die geistige Welt für einen Augenblick etwas näher an die materielle Welt heran. Es strömte etwas herein, aus dieser geistigen Welt. Die Anbindung an das Höhere, und damit auch die Kommunikation mit den Ahnen, war leichter.


Das Begehen der Jahreskreisfeste war somit nicht nur ein Würdigen der im Äußeren sichtbares Kreisläufe der Natur, sondern auch ein ritueller, heiliger Akt, in dem sich der Mensch als geistiges Wesen und als verbunden mit dem Höheren wahrnahm.



Bräuche und Rituale


Jedes der Feste ist dabei mit einer ganz bestimmten Zeitqualität verbunden, aus welcher sich schließlich die entsprechenden Rituale und Bräuche ableiteten. Während zum Beispiel Samhain, also die Zeit um Allerheiligen und Allerseelen, das große Loslassen und die Wandlungskraft trägt, ist Yule, die Wintersonnwende die Wiedergeburt des Lichts und allen Lebens. Das Maifest Beltane ist der Fruchtbarkeit und dem Lebensfeuer geweiht, Mabon als Herbsttagundnachtgleiche der Ernte und der Dankbarkeit für die Gaben, und so weiter.


Zur Bekräftigung und um diesen Qualitäten Ausdruck zu verleihen, schuf der Mensch seine Rituale, aus denen sich dann unsere Bräuche entwickelten. Wenn wir die Feste feiern, ist das Ritual also nur Ausdruck einer inneren und äußeren Bewegung auf einer höheren, beziehungsweise, tieferen Ebene.




Die 8 Feste im Zyklus


Wie folgt eine kurze Beschreibung des Zyklus aus vier Sonnenfesten und vier Mondfesten sowie der jeweiligen Zeitqualitäten (und verlinkt die ausführlichen Blogbeiträge zu den Festen).


Samhain. Mondfest. Allerheiligen, Allerseelen, Halloween, All Hallows, Herbstmitte. Ahnenfest. Ihre Seelen sollen in diese Nächte übers Land ziehen, man stellt ihnen Essen bereit, bereinigt alte Dinge, erbittet ihren Segen. Ein stilles Fest, eine Reise in die Unterwelt, ins Unterbewusstsein. Das ultimative Loslassen, Kompostzeit. Was will jetzt gehen und transformiert werden? Mehr


Yule. Sonnenfest. Jul, Wintersonnwende, Weihnachten. Längste Nacht der Jahres. Wiedergeburt des Lichts. Fallen lassen in die Weisheit der Dunkelheit, in die Tiefen unseres Inneren. Kosmische Impulse, Samenzeit. Was will im kommenden Jahr aus mir geboren werden? Mehr


Imbolc. Mondfest. Brigid, Lichtmess, Wintermitte. Wiederkehr des Lichts. Sanfte, stille Energie von Licht und Reinigung, des Erwachens und Neubeginns auf allen Ebenen. Materialisierung, Neues wird sichtbar. Was will ich jetzt noch in Leichtigkeit zurücklassen, um mich dann freudvoll dem Kommenden zuzuwenden? Mehr


Ostara. Sonnenfest. Frühjahrs-Tagundnachtgleiche, Ostern. Fest der kosmischen Harmonie und Balance. Licht und Leben werden willkommen geheißen. Eier und das Wasser als Fruchtbarkeitssymbole. Was will jetzt durch mich wachsen und erblühen? Mehr


Beltane. Mondfest. Walpurgis, Hexennacht, Maifest, Frühlingsmitte. Fest der Lebensfreude, Sinnlichkeit, Fruchtbarkeit und Ekstase, das den Übergang in die wärmere Jahreszeit einleitet. Wiederentfachung des Lebensfeuers. Verbindung von männlicher und weiblicher Energie. Wie kann ich meine Ideen und Projekte jetzt nähren und befeuern? Mehr


Litha. Sonnenfest. Sommersonnwende, Johanni. Die Natur ist auf ihrem Höhepunkt angelangt, alles blüht und ist voller lebendiger, sinnlicher Kraft. Die Vegetation tritt ab da wieder ihren Rückzug an. Was ist durch mich erblüht? Was darf durch mich reifen? Mehr


Lughnasad. Mondfest. Lammas, Schnitterfest, Sommermitte. Beginn der Erntezeit. Wertschätzen der Fülle, Acht geben auf die noch nicht geernteten Früchte. Was kann schon geerntet werden, was darf noch reifen? Was darf ich schon loslassen?


Mabon. Sonnenfest. Herbst-Tagundnachtgleiche, Erntedank. Licht und Dunkel sind im Gleichgewicht. Der Sommer ist zu einem Ende gekommen, die Vegetation zieht sich zurück. Eintritt in die dunklere Hälfte des Jahres. Ernten, Dankbarkeit und Teilen. Für welche inneren und äußeren Gaben bin ich dankbar? Wie möchte ich sie mit anderen teilen? Mehr





Die Bedeutung für uns heute


Heute sind die Jahreskreisfeste eine wunderbare Möglichkeit sich wieder in die natürlichen Zyklen und das Gewebe allen Lebens einzubinden. Die Erde und alle ihre Wesen unterliegen natürlichen Rhythmen und Zyklen. Die Vegatation hat Zyklen, der Mond, die Tiere, die Landschaften. Die Bewegung des Wassers, der Meere, Flüsse, Bäche - der Wind, die Wolkenbildung. Der Klang, das Feuer. Alles unterliegt einem Rhythmus, wir haben nur verlernt ihn wahrzunehmen.

Wir haben uns künstliche Rhythmen geschaffen, sind fast nicht mehr angebunden an den Puls der Erde und alles Lebendigen. Sind abgeschnitten von den natürlichen Zyklen. Sind nicht mehr eingewoben in das lichtvolle Gewebe alles Lebendigen.


Die Jahreskreisfeste bieten uns eine wunderbare Möglichkeit uns wieder einzuweben in dieses Lichtgewebe. Unsere eigenen Rhythmen wieder mit den Rhythmen der Erde zu synchronisieren, um wieder mit ihrem kraftvollen Fluss zu schwimmen. So trägt uns der Puls Gaias, der Erde selbst, deren Teil wir sind. Denn wir leben eigentlich nicht auf der Erde. Wir leben in der Erde, quasi in ihrem Bauch. Denn auch die Atmossphäre ist ein Teil Gaias, ein Teil des Erdenkosmos, der wiederum Teil des größeren Kosmos ist.


In unserer heutigen Zeit ist es unglaublich schön und bereichernd, die alten Feste wieder zu zelebrieren. Es klinkt uns ein, in das Feld der alten Rituale, die über tausende Jahre praktiziert wurden und dadurch eine unglaubliche Kraft enwickelt haben. Es schenkt uns die Möglichkeit zur tieferen Wahrnehmung der natürlichen Zyklen und Verbundenheit mit der Landschaft, und zur Wertschätzung dessen, was gerade im Innen und Außen ist. Es gibt uns in unserer linearen und effizenzorientierten Gesellschaft wieder Anhaltspunkte um in eine zyklischere Denkweise und Lebensweise zurückzufinden.


Es schafft einen Moment der Stille - der die profane Zeit mit allen ihren Anforderungen unterbricht - und das Heilige wieder zurück in unser Leben bringt.


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1 Comment


Einfach Amelie
Einfach Amelie
Feb 02

wunderschön geschrieben, genau so geht es mir auch seit ich seit letztem Jahr zum ersten Mal diese alten Feste kennenlerne.... es tut mir so gut mich wieder mit diesem riesigen Schatz voller Kraft und Weisheit zu verbinden. Danke für diesen Text ❤️

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